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 E & BJ Capper Nagold 2006/2007

 

 

12. - 13.5.2006

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Rucar-Bran Pass 5.2006

Rucar-Bran Pass

Es gibt doch Wölfe

Yes, there really
are wolves

Befährt man von Bran aus den Rucar-Bran-Pass, jene alte Passstraße, die die Törzburg bewachen sollte, so erfreut man sich bei guter Sicht erstmal am Anblick des gewaltigen Bucegi-Massivs. Doch dann nimmt die Straße eine enge Kurve um den Berg herum und unvermittelt schiebt sich ein weiteres Bergmassiv ins Blickfeld, der Königstein (Piatra Craiului).
 Erfreulicherweise befindet sich an dieser Stelle ein Parkplatz, den auch geschäftstüchtige örtliche Bauern zu nutzen wissen. Sie bieten selbstgemachten geräucherten Käse, Würste und große Plastikflaschen mit bunten Flüssigkeiten an. Vielleicht beinhalten manche davon Säfte wie z.B. den hier gern getrunkenen Holundersaft, wahrscheinlicher jedoch selbstgebrannte Schnäpse, die häufig um die 50% Alkohol beinhalten.

We drive from Bran up the Rucar-Bran pass, the old pass road which Bran Castle was built to guard, and the weather is good enough to get a view first of all of the mighty Bucegi massif. Then the road takes a sharp turn around to the other side of the hill and another mountain chain comes into view, the Piatra Craiului (Kings Rock) mountains.
Fortunately there is a parking area here, which enterprising local farmers make good use of. They offer home-made smoked cheese, sausages and large plastic bottles with liquid in them. Some of them may contain fruit juices such as elderberry, which is popular here, but more probable is home-distilled schnapps, which often has about 50% alcohol. We decide to abstain.

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Rucar-Bran Pass 5.2006

Vom Rande des Parkplatzes aus schießen wir auch dieses Panoramabild (5 Fotos - siehe auch Panorama am Kapitelanfang, das aus 6 Bildern besteht). Der Königstein, anscheinend das Lieblingsgebirge der Kronstädter, ist ein langes Felsmassiv, dessen schroffe Felswände ganz aus Kalkstein bestehen.  Acht Kilometer des ca 20 Kilometer lange Grats sind über 2000m hoch, der Gipfel, die Hirtenspitze (La Omu), erreicht 2239m. Es ist der schönste und höchste Kalksteinkamm Rumäniens. Geübte Wanderer können ihn anscheinend in 12 Stunden erlaufen, wobei sich häufig dramatische Felsstürze und atemberaubende Aussichten eröffnen.
Auf diesem Bild kann man gut die verschiedenen Stufen der für die Karpaten typischen Kultivierung oder Naturbelassenheit erkennen: Die unteren, hier im Vordergrund stehenden Hügel werden stark bewirtschaftet. Die nächsthöheren Bergzüge sind dicht mit Misch- und Nadelwald bewachsen, die unteren Regionen werden bewirtschaftet, die oberen sind unberührt und ursprünglich. In ihnen leben die größten Bären-, Luchs- und Wolfspopulationen Europas. Über diesen dunklen Wäldern erheben sich schroff die mächtigen Felswände der alpinen Zone.

We take this panorama photo from the edge of the parking place as well (5 photos, see also the one at the top of the page, 6 photos).
Piatra Craiului, which is apparently Brasovs favourite mountain, is a long massif with abrupt rocky limestone cliffs. Of the 20 km-long crest, which is the highest and most beautiful limestone crest in Romania, 8 km are over 2000m. The highest peak is La omu at 2239m. Experienced hikers walk the crest in 12 hours and enjoy fantastic mountain scenery.
On this picture it is easy to see the different intensities of cultivation at different levels which is typical of the Carpathians. The lower hills, here in the foreground, are relatively intensively cultivated. The next-higher foothills have mixed and coniferous forests. The lower areas are cultivated and the higher areas are mostly natural. There it is that the largest bear, wolf and lynx populations of Europe have their habitat. Soaring above the dark forests are the mighty rocky cliffs of the alpine zone.

 

 

 

Reizvoll über die Berghänge verstreut liegen die kleinen Bauernhöfe oder Tierställe. Der Königstein wurde 1999 zum Naturschutzgebiet erklärt, doch dabei stellte sich heraus, dass die Wiesen zu Füßen des Gebirges überweidet sind. Man versucht nun, mit Hilfe einer nachhaltigen Bewirtschaftung diese Überweidung zurückzufahren. Einnahmeausfälle der Bauern sollen mit dem Aufbau eines sanften Ökotourismus aufgefangen werden.

Small farm and huts are scattered picturesquely on the hillsides. Piatra Craiului was made into a nature reserve in 1999. It was then realized that the meadows at the foot of the mountains are overgrazed, and now attempts are being made to reduce the intensity of use. It is hoped to cushion the farmers resulting loss of income by increases in ecotourism.

 

 

 

Wir befinden uns nun fast auf Passhöhe und können deshalb die großen Gebirgszüge in beiden Richtungen erblicken. Von links drängt sich wieder das Bucegigebirge in unser Blickfeld (oben).

Here we are near the top of the pass where we can see the large mountain chains in both directions. In the picture the Bucegi Mountains come into view again on the left.

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Rucar-Bran Pass 5.2006

Einige Kilometer weiter entlang der Passstraße Richtung Rucar tauchen hinter dem langgezogenen Kamm des Königsteins (re) die Muntii Iezei (li) auf, eine weitere, fast 2500m hohe Bergkette. In den großen Urwäldern rund um die Hochgebirge leben ca. 5500 Braunbären (etwa 50% der europäischen Population), 3000 Wölfe und 2000 Luchse (jeweils 30% des Europa-Bestandes).
Einmalig in ganz Europa ist die Tatsache, dass hier große Raubtiere in unmittelbarer Nachbarschaft zum Menschen wohnen.
Dennoch sind z.B. Wölfe in freier Wildbahn sehr selten zu beobachten. Wie überrascht sind wir da, als plötzlich zwei Exemplare direkt vor uns über die Straße springen!

A few kilometres further along the pass road towards Rucar the Iezei Mountains (left) come into view beyond the Piatra Craiului chain on the right. The Iezei  is another chain of mountains nearly 2500m high. In the great natural forests surrounding the mountains are about 5500 brown bears (50% of the European population), 3000 wolves and 2000 lynxes (each ca. 30% of the European populations).
Unique in Europe is the fact that here large beasts of prey live in the direct neighbourhood of humans.
Nevertheless it is relatively unusual to actually sight wolves in the wild, so we are very surprised and pleased when suddenly two of them jump out onto the road in front of us!

 

 

 

 

 

Aus ca. 100m Entfernung sehe ich, wie von links zwei große graue, hundeartige Geschöpfe, die aus einem Waldstück herausspringen, auf unsere Straße zujagen. Sie sind sehr schnell und zielgerichtet. Nur wenige Meter vor uns queren sie die Passstraße.
Wir sehen sofort, dass es sich nicht um gewöhnliche Hunde, die ja in großer Anzahl in Rumänien wild herumlungern, handeln kann. Warum? Beide Tiere haben die gleiche graue Färbung, lange, spitze, aufgerichtete Ohren, sind recht groß, wirken "durchtrainiert" und äußerst wachsam. Sie haben unser Auto fest im Blick, das nur wenige Meter vor ihnen zum Stehen kommt.
Die Wölfe bleiben ebenfalls wenige Meter rechts neben der Straße stehen und fixieren uns. Ich kämpfe mit dem Verschluss unserer kleinen Kamera und knipse ganz ungezielt in ihre Richtung. Nach wenigen Sekunden jagen sie weiter über die Waldwiese, dicht an einem kleinen Hof vorbei.

Two large, grey dog-like animals spring out of the woods about 100m away to our left and approach the road rapidly. They move fast and purposefully and cross the pass road only a few metres in front of the car.
We immediately see that they are not ordinary dogs, of which there are enormous numbers running wild in Romania. Both of these have the same grey colouring, long pointed ears, are large and look very fit and alert. They watch our car carefully, which I stop immediately not many metres away from them.
They pause briefly and Elli hurries to point the little camera at them and shoot away in the general direction as fast as possible. After a few seconds they move away rapidly across the field quite near to a small farm building.

 

 

 

Am unteren Wiesenrand bleiben beide Tiere nochmals stehen und schauen einige Sekunden in unsere Richtung. Ob ein Auto für sie etwas Ungewöhnliches ist oder Vorsicht gebietet? Dann springen sie mit grossen Sätzen in den Wald hinein.

Normalerweise bedeuten Wölfe keine Gefahr für den Menschen. Die sehr scheuen Tiere wittern auf große Entfernung bereits Menschen und gehen ihnen aus dem Weg. Lediglich ein krankes Tiere oder ein Wolf, das sich bedroht fühlt, würde angreifen.
Die Nahrung der Wölfe besteht hauptsächlich aus Wild wie Rehe oder Kaninchen. Auch Vögel werden verzehrt, wenn sie gefangen werden können.
Aus dieser Form der Ernährung hat sich für die Haustierbesitzer das BARF Konzept entwickelt. Viele Besitzer, die Ihren Hund barfen, nutzen dabei die Erfahrungen, die aus den Beobachtungen der Wolfsforscher bezüglich der Ernährung der Wölfe hervorgegangen sind.
Ein Wolfsrudel ist ähnlich einer menschlichen Familie aufgebaut. Die Eltern sind zugleich die Leittiere des Rudels. In der Hierarchie folgen dann die Nachkommen. Ab einem bestimmten Alter (bis 2 Jahre) verlassen die Nachkommen das Rudel um ein eigenes Rudel zu gründen. 
Nicht nur die Märchen aus unseren Kindheitstagen prägen jedoch leider ein Bild vom Wolf als ein gefährliches Tier. Auch die Medien greifen zur Auflagensteigerung immer wieder auf reißerische Nachrichten zurück bei denen ein Wolf ein Tier gerissen oder gar einen Menschen verletzt haben soll. 
Der Naturschutzbund NABU hat viele Informationen über den Wolf zusammengetragen. (Link)

Der Wildbiologe Peter Sürth hat ein Projekt in den Karpaten initiiert, genannt "Der Weg der Wölfe", das wissenschaftliche Arbeiten über die Wanderbewegungen und Korridore der Großräuber auch mit Hilfe von Expeditionen bis zum Königstein unterstützt und den Problemen wandernder Wildtiere und der "Lebensraumvernetzung" mit dem Menschen nachspürt.

Die Aufnahmen, das wissen wir, sind äusserst mangelhaft. Trotzdem sind wir glücklich, als wir im Wohnwagen die Fotos von anscheinend leeren Wiesen stark vergrössern und die Wölfe darauf entdecken.

On the edge of the meadow they pause briefly and look back in our direction. Is a car unusual or interesting for them? Then they quickly disappear into the forest.

Normally, wolves pose no danger to humans. The very shy animals scent people at a great distance and avoid them. Only a sick animal or one that feels threatened may attack.

The wolves' diet consists mainly of game like deer or rabbits. Birds are also eaten when they can be caught.

A pack of wolves is similar to a human family. The parents are at the same time the lead animals of the pack. They are followed in the hierarchy by their children. At a certain age (up to 2 years), the offspring leave to found their own pack.

We know the pictures are not very good, but we are pleased when we get back to the caravan to find that the pictures of an apparently empty field have captured them. Our little camera (Panasonic Lumix DMC-LZ2, 5,0 megapixels) has served us well again.

 

 

 

Selbst kurz hinter der Passhöhe (1290m) gibt es im kleinen Ort Podu Dambovitei Anzeichen reger Bautätigkeit.
In diesem Gebiet verbergen sich einige große begehbare  Höhlen.

Not far from the top of the pass (1290m) is the small village of Podu Dambovitei, which shows signs that plenty of building is going on.
In this area there are caves that can be visited.

 

 

 

Auf unsrer Rückfahrt Richtung Bran biegen wir von der Passstraße in ein schmales Seitental ein, das zum Ort Sirnea führt. Vor uns erhebt sich ein kegelförmiger Berg mit einer markanten Felsspitze (li). Auf der Karte ist er als "Draculas Teeth" verzeichnet.
Um uns ein wenig zu bewegen, klettern wir hinauf und blicken in das Tal zurück, durch das wir gerade gefahren sind (re).

On the way back towards Bran we turn off the pass road to the left into a narrow side-valley leading to the town of Sirnea. In front of us is a conical hill (left) with a distinctive rock-formation at the top, marked on the map as Draculas Teeth.
To get a bit of exercise we climb up and look back down the valley we have just driven along (right).

 

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Sirnea 5.2006

Über Draculas Zähne hinweg schauen wir jetzt Richtung Westen in die nachmittägliche Sonne hinein. Wie wahllos verstreut stehen die kleinen Bauernhäuser von Sirnea zwischen kegelförmigen Hügeln, die meisten von ihnen sind in sehr gutem Zustand, einige scheinen neu.
Tiefe Senken, die aussehen wie Bombenkrater, deuten wohl auf eingestürzte Höhlen innerhalb des wasserlöslichen Kalksteinbodens hin - wohl vergleichbar mit den Dolinen der Schwäbischen Alb in unserer Heimat.
Rechts erhebt sich der Felskamm des Königsteins (Piatra Craiului).
Bedenkt man die recht hohe Häuserdichte, so wird verständlich, dass auf die hier zahlreich und in natürlicher Dichte vorhandenen tierischen Großräuber ein großer Siedlungsdruck ausgeht, den staatliche und internationale Projekte zu begrenzen versuchen.

We take several photos from the Draculas Teeth hill.
 The view away to the west is into the afternoon sun. The little farmhouses of Sirnea are scattered around near other conical hills. Most of them look in good condition, some are new.
Deep dolines (sink holes) looking like bomb-craters show where the roofs of caves in the limestone have collapsed. They remind us of the limestone Swabian Albs near where we live in South Germany.
On the right is the rocky crest of the Piatra Craiului chain.
The buildings here are relatively close together, so it is understandable that as habitat for large animals of prey the area is under pressure. National and international projects are trying to limit this housing density.

 

 

 

Zwei Hütten, nach alter Tradition mit Schindeln gedeckt.

Huts with traditional wooden shingle roofs.

 

 

 

Von "Draculas Zähnen" aus blicken wir nun nach Osten, wo sich hinter Vorbergen das Buceci-Massiv erhebt.
Die große Hochebene, die sich zwischen Bran, dem Königstein und dem Bucegi erstreckt, wird Braner Oberland genannt. Nächtliche Übergriffe von Bären und Wölfen, die etwas 2% des Schafbestands reißen, versucht man mit Hilfe eines Wildtiermanagements zu begrenzen, indem man z.B. Elektrozäune errichtet. Den drei großen Wildwechselkorridoren, die zwischen Königstein und Bucegi nachgewiesen wurden, wird ein besonderer Schutzstatus zugesprochen.

From Draculas Teeth we look to the east, where the Bucegi massif soars up beyond the foothills.
The large plateau between Bran, Piatra Craiului and Bucegi is called the Bran Oberland. Nightly attacks by wolves and bears on the sheep population are a common problem which can be alleviated by investment in electric fences if the farmers can afford it. The three main corridors used by wild animals between Piatra Craiului and Bucegi have a specially protected status. 

 

 

 

Heuhaufen vor dem Bucegigebirge

A haystack with the Bucegi Mountains as background.

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Kühe am/Cows at Rucar-Bran  Pass 5.2006

Drei Einzelaufnahmen mit je einer Kuh vor dem Moieciu-Tal, die zu einem Panoramabild zusammengefügt wurden.

Three separate cow pictures with the Moieciu valley in the background are combined here to a Cow Panorama.

 

 

 

Ein schönes Haus mit neuer Dacheindeckung neben der Passstraße vor dem Königstein.
Neue rote Dachziegel trifft man in Rumänien bis jetzt eher selten an. Auch die alten Schindeldächer werden verdrängt. Dagegen werden auch Neubauten hauptsächlich mit Blechplatten abgedeckt.

This attractive house by the pass road has a new roof and a fine view of the Piatra Craiului mountains.
Up to now we  havent seen many red-tiled roofs in Romania. The old wooden shingle roofs are being replaced more by the cheaper metal-sheet roofs..

 

 

 

Auf der anderen Straßenseite bietet sich Richtung Bucegi dieser reizvolle Anblick. Eine Bauersfrau treibt ihre Kühe in den Stall (unten re).
Die Hausdächer hier sind mit Blechplatten abgedeckt, was neu schön aussieht, nach wenigen Jahren aber verrostet (Haus in Bildmitte mit beginnendem Rostbefall). Leider werden zunehmend auch viele wunderschöne alte Bauernhöfe mit diesen Blechen bedacht.

On the other side of the pass road is this lovely view  across to the Bucegi mountains. The farmers wife (lower right) is  driving her cows across the field.

 Many houses are roofed with metal sheets, which dont look too bad when new, but can look bad after a few years if they rust (as is starting up on the roof of the house right of centre). Unfortunately (from our point of view) many of the beautiful old farms are being given these not very photogenic roofs.   

 

 

 

Ein weiteres Motiv für unsere Pferdekarren-Sammlung: Pferd zieht Fahrrad.

Another one for our growing collection of horse & cart pictures: horse-drawn bicycle.

 

 

 

Zum Abschluss dieses Kapitels eines unserer Lieblingsbilder: Holzkirche vor dem Bucegigebirge.
Die Kirche ist neu, jedoch in alter Tradition ganz aus Eichenholz errichtet und zum Glück nicht mit Blech, sondern echten Schindeln gedeckt. Die Beherrschung der alten Handwerkstechniken scheint noch lebendig zu sein. Wir hoffen und sehen Anzeichen dafür, dass man sich ihrer bedient, solange das Wissen darüber noch vorhanden ist.

To finish off this chapter one of our favourite pictures: a wooden church with the Bucegi Mountains as background.
The church is new, but was built out of oak-wood following the old tradition. Fortunately it has a wooden shingle roof rather than metal sheeting. There is still a living culture of the old handwork skills. We hope and see signs that these are being used as long as the knowledge of them survives. 

 

 

 

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