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 E & BJ Capper Nagold 2006/2007

 

19. - 22.5.2006

Donaudelta/ Danube Delta
Delta Dunării 1

Wasserlandschaften

Water Landscapes

Wir haben es geschafft! Wir haben den Rand des Donaudeltas erreicht. Zu unserer Überraschung ist die Landschaft hier bergig. Es handelt sich um die Ausläufer der Dobrogea.
Auf dem Hinweisschild sieht man einen Pelikan, das Symbol für das Delta, darunter auf einer Karte die sich in drei große Arme aufspaltende Donau. Der oberste Arm bildet die Grenze zur Ukraine (Bratul Chilia), der mittlere steht mit Hilfe permanenter Ausbaggerung der Schifffahrt zur Verfügung (Bratul Sulina) und am unteren Arm (Bratul Stantu Gheorghe) befindet sich in etwa halber Entfernung zum Schwarzen Meer unser Campingplatz.
Das Donaudelta ist als Biosphärenreservat ausgewiesen und wurde 1991 in die UNESCO Liste als Weltnaturerbe aufgenommen.

We’ve made it! We reach the edge of the Danube Delta nature reserve and are surprised that it is not all flat plain; here we are still in the foothills of the Dobrogea.
The sign shows a pelican, the symbol of the Delta, and under that a map of the Danube, which splits here into three large river channels. The northern channel, Bratul Chilia, forms the border to the Ukraine, the middle channel, Bratul Sulina, is dredged frequently to keep it free for shipping, and near the southern channel, Bratul Stantu Gheorghe, abut half way to the Black Sea, is our camping site.
Large parts of the the Danube Delta form a Biosphere Reserve and it has been included in the UNESCO list as a World Natural Heritage location since 1991,  

 

 

 

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Im Frühjahr 2006 wird Rumänien von schweren Donau-Überflutungen heimgesucht. Hunderte Häuser am Ufer werden von der Strömung mitgerissen.
 Während unseres Aufenthalts in Siebenbürgen waren wir noch davon überzeugt, wegen der Flut das Delta nicht besuchen zu können. Doch andere Camper, die kürzlich das Delta besucht haben, teilen uns mit, dass ein Besuch kein Problem sei. Nur Strom habe es auf dem Campingplatz bei Murighiol, den auch wir aufsuchen wollen, noch nicht gegeben.
Obiges Panoramabild zeigt die Wasserlandschaft von der Straße Galati-Tulcea aus. Im Hintergrund ist das breite Band der hier noch einarmigen Donau zu erkennen. Inwieweit es sich bei den Teichen davor um Überschwemmungen oder Seen, die zahlreich auf der Karte verzeichnet sind, handelt, wissen wir nicht.

In the spring of 2006 Romania suffered under severe flooding of the Danube. Hundreds of houses near the river were torn apart by the currents.
While still in Transylvania on our trip we are fairly sure that we won’t be able to visit the Delta, but other campers who have just been there tell us that visiting it is no longer a major problem. Only the Murighiol camping site, which we want to use as well, was without electricity while they were there.
The panorama picture above shows the watery landscape from the Galati-Tulcea road. In the background is the Danube, which at this point is still in a single channel. Whether the water areas nearer us are flooding or lakes, of which there are many on our map, we do not know.  

 

 

 

Hübsche Schilfhäuschen für die Enten des Bauers oder Fischers.

Rustic reed huts for the farmer’s (or fisherman’s) ducks.

 

 

 

Der schöne Campingplatz bei Murighiol, direkt an einem See gelegen. Teile des Platzes sind noch überschwemmt, doch Strom ist vorhanden und die Auswahl an Stellplätzen groß.
Unterwegs hierhin erweist sich die letzte größere Stadt im Donaudelta, Tulcea, als geschäftige, leicht bergige, nicht sehr romantische Industriestadt. Auf Plakaten wird für mehrstündige oder -tägige Deltatrips geworben, die vom örtlichen großen Hafen ausgehen. Wir werden jedoch im kleinen Ort Murighiol von einem Einheimischen abgefangen, der mit seinem Auto vor unser Gespann fährt und es sich nicht nehmen lässt,  uns auf dem gesamten (gut beschilderten) Weg voranzufahren, um uns den Weg zu "zeigen", d.h. um sicher zu sein, dass wir zu diesem Campingplatz kommen, und auch um ein Trinkgeld einzustreichen und sich für die nächsten Tage als Bootsfahrer anzudienen.

The camping site at Murighiol is beautifully situated directly on the lakeside. Some parts of the camping site are still under water, but the electricity is working and there are enough camping plots to chose from.
On the way here the last large town in the Danube Delta, Tulcea, proves to be a busy, rather unromantic industrial town, and hillier than expected. There are advertisements for Danube trips from the large local harbour lasting from several hours up to several days. But we are intercepted by an enterprising local in Murighiol, who insists on driving the (well sign-posted) road ahead of us to the camping site to ‘show us the way’, i.e. to make sure we come to this site, but also to get a tip and to sell his boat-trip services for the next day.   

 

 

 

Unser hiesiges "Empfangskomitee", das uns auch nicht mehr von der Seite weicht. Die verwilderten Hunde sind eine große Plage. Zum Abendessen versammelt sich die ganze Gruppe um unseren Campingtisch und verfolgt mit hungrigen Augen jeden unserer Bisse. Der große graue Hund rechts ist offensichtlich das Oberhaupt der Gruppe und nimmt sich das Recht heraus, unter unserem Wohnwagen zu schlafen. Mülltüten werden von den Hunden entweder aus den Mülleimern gezerrt oder einem direkt aus den Händen gerissen. Der Inhalt wird über den gesamten Platz verteilt. Das Personal tut wenig, um diese Missstände zu beseitigen.
Die Österreicherin rechts hat ihren Spaß mit den Hunden, während die Besitzerin des blauen Wohnmobils versucht, ihren Mann am Füttern der Hunde zu hindern. Heimlich schleicht er sich hinter den Wagen, seinen eigenen kleinen Hund als Vorwand auf dem Arm, und wirft der hungrigen Meute Futter aus seinem riesigen Vorratssack zu.

The reception committee of apparently wild dogs at the camping site is very persistent and a pest. When we eat they collect around our table and watch every bite with hungry eyes. The large dog on the right (of the left-hand picture) is the boss-dog and takes it as his right to sleep under our caravan. The dogs pull bags of rubbish out of the rubbish bins or grab them directly out of our grasp, and spread the contents around the camping site. The cleaning staff seem to have given up stopping this - they leave the rubbish bags lying on the ground for several days.
The Austrian lady on the right enjoys feeding the dogs, but the lady in the blue mobile home tries to stop her husband joining in and feeding them. We are amused to see him come secretly round the back, with his small dog on his arm as a pretext, and  throw the hungry pack food out of his large supply sack.

 

 

 

Am Abend setzten wir uns, gut mit Autan eingeschmiert, ans Wasser und lauschen den unglaublichen Geräuschen des Deltas. Unter das Quaken aus tausend Froschkehlen mischt sich das unablässige dumpfe "Ummm" - ein Klang wie der eines entfernten Nebelhorns - der Rohrdommeln.
Zahlreiche Stechmücken steigen aus den Wiesen auf (li) und umschwirren uns. Am nächsten Morgen sehe ich, dass ich durch den festen Stoff der Jeans hindurch vielfach gestochen wurde.

In the evening we smear plenty of mosquito lotion on us and sit near the water listening to the unbelievable noises of the Delta. Along with the croaking of thousands of frogs there are ceaseless dull ‘Ummm’ sounds like distant foghorns, which I think must be bitterns.
Numerous mosquitoes are in the air (l) and next morning Elli finds she has been bitten many times through her jeans. I am rather luckier.

 

 

 

Die mückenübersäte Außenhaut unseres Futures am nächsten Morgen. Die weiße Farbe lockt die Insekten an, und sie kleben an der Haut fest. Im Waschraum entdeckt John eine Schwalbe.
Hunde, Mücken, Hitze -, ich erleide eine Art "Naturschock" und verbringe den Vormittag im Wohnwagen, während John den Überredenskünsten des Einheimischen erliegt und sich drei Stunden durchs Schilf schippern lässt. Ich lese im Buch "Dschungelkind" (von Sabine Kuegler) und empfinde meine neue natürliche Umwelt nach der Schilderung von handtellergroßen Spinnen als eigentlich recht harmlos. Vor dem Wohnwagen raufen friedlich die Hunde.

Next morning the white surface of the Future caravan is covered by a mat of dead midges. The white attracts them and they presumably either get stuck or decide it is a good place to end their days. It is obviously a good place for insect-eating birds. This swallow has its nest in the men’s washroom.
Elli suffers under the various attacks of nature - dogs, mosquitoes, and heat, and decides to spend the morning in the caravan, rather than coming with me for the 3-hour boat trip I’ve booked. She reads Sabine Kuegler’s “Jungle Child” and the descriptions of jungle dangers and huge spiders gives the surroundings here another perspective! The dogs go on bickering outside the caravan.

 

 

 

Die folgenden Bilder bringt John von seinem Bootstrip mit zurück. Die Fahrt beginnt auf dem unteren Donauarm, dem Bratul Santu Gheorghe. Die Pappeln und Weiden der Uferregion stehen tief im Wasser. Johns Schiffer meint, der Flusspegel sei etwa zwei Meter höher als normal.

I set off in the boat with our guide from yesterday, starting in a side channel near the camping site that leads to the southern main channel, the Bratul Santu Gheorghe. The poplars and willows near the shores stand deep in water. The boatman tells me the water-level is about 2m deeper than usual.

 

 

 

Diese Villa gehörte einst Ceausescu - wie viele andere im ganzen Land.

This choice riverside villa belonged to Ceausescu.

 

 

 

Die Einheimischen scheinen mit den Überflutungen ganz gelassen umzugehen. Wenn es eine Region gibt, deren Bewohner einschließlich der gesamten Tier- und Pflanzenwelt an unterschiedlichste Wasserstände gewöhnt sind, so ist es das Donaudelta, nach dem Wolgadelta das zweitgrößte Europas. Die Bäume der Weichholz-Aue wie Silberweide und Silberpappel können wochenlang im Wasser stehen, ohne zu faulen.

The occupants of the Danube Delta are accustomed to floods and varying water-levels and the plant and animal life of Europe’s 2nd largest delta (after the Volga Delta) are adjusted to this as well. The trees can stand for weeks in water without starting to rot.

 

 

 

Probleme mit den Wasserhochständen treten da auf, wo traditionelle Lebensweisen zugunsten des Tourismus verdrängt werden. Viele Ferienhäuser werden an idyllischen Stellen erbaut. Dieses hier muss mit Sandsäcken geschützt werden, bevor es fertig ist.

Problems with the water-level start where traditional styles of living are being put aside in favour of tourism. Holiday homes are being built in idyllic places. This one has to be protected by sandbags before it is even finished.

 

 

 

Auch diese Ferienanlagen haben mit der Flut zu kämpfen. Die touristische Erschließung des Deltas hat längst begonnen und verläuft anscheinend relativ unkontrolliert.
Die hiesigen Fischer, die unter den Umweltschutzauflagen wie den eingeschränkten Fischereizeiten stöhnen, werden mit dem Aufbau eines "sanften Tourismus" vertröstet. Doch was ist "sanft"?

The holiday homes are having trouble with the floods as well. The development of tourism in the area is well in progress and proceeds apparently without strict controls.
The local fishermen who suffer under the environmental restrictions are consoled by the promise of the development of gentle tourism, but what ‘gentle’ is, is debatable. 

 

 

 

Dies sicherlich nicht. Im Sommer rasen hunderte Motorboote die verästelten Flussarme entlang und verscheuchen die Vögel. Von Tulcea aus befahren motorisierte "schwimmende Hotels" das Delta.
Dabei liegen fertige Pläne für eine lautlose, mit Sonnenenergie betriebene Schiffsflotte längst in den Schubladen der Verantwortlichen.

This is not very gentle. In summer there are apparently hundreds of small motorboats buzzing through the water channels and scaring the birds. From Tulcea hotel boats spread out into the Delta.
We read that there are plans for a fleet of silent boats driven by solar energy, which would certainly be better.

Now in May there are very few boats, but not many birds to see either!

 

 

 

Es sei nicht die Jahreszeit, um Pelikane zu sichten, meint der Bootsfahrer. Diese zwei haben das wohl grade erst erfahren und machen sich schnellstens vom Acker, bzw. vom Wasser.

The boatman says it is unlikely that we will spot any pelicans at this time of the year, but fortunately these two didn’t know about that and give me a brief glimpse.

 

 

 

Das Boot ist in einen kleinen Seitenarm eingebogen und stößt auf idyllische Ecken. Die Vögel, von denen es im Delta über 300 Arten geben soll, machen sich allerdings eher rar.

We go though beads of reeds into quiet, reed-surrounded lakes, but the birds, of which there are over 300 species in the Delta, are infrequent.

 

 

 

Nächstes Ziel ist der kleine Aussichtsturm in der Mitte.

Next target is the ornithological observation platform in the centre.

 

 

 

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Der Blick von oben auf die Wasserlandschaft. Das Delta ist 5000qkm groß, (abhängig von Definition und Quelle der Information), ein Drittel davon ist Biosphärenreserevat und darf nur mit behördlicher Genehmigung betreten werden. Der Rest ist Pufferzone. Das Delta beherbergt das größte zusammenhängende Schilfgebiet der Erde. Von oben betrachtet sieht das Delta aus wie ein grünes Meer mit blauen Einsprengseln.

From the platform there is a good all-round view of the watery scenery. The Delta is about 5000 sq. km. (Depending on the definition, other sources give quite different numbers.). A third of it is the nature reserve.
The Delta contains the largest connected area of reeds in the world.

 

 

 

Doch noch erwischt: eine kleine Gruppe aus Grau- und Silberreihern. Natürlich flüchten auch sie sofort vor dem nahenden Boot.

A small group of Grey and Great White Herons takes off when the boat approaches.

 

 

 

Das Donaudelta ist das bevölkerungsärmste Gebiet Europas. 15000 Menschen unterschiedlichster Nationen leben hier. Häufig trifft man auf "Lipowaner", ein Volk mit russisch-orthodoxen Wurzeln, das im 18.Jh. zur Erlangung religiöser Freiheit aus Russland hierher flüchtete und zu erfolgreichen Fischern wurde. Vielleicht gehört diese Fischerhütte dazu.
Das Gebiet ist sehr fischreich. Es gibt über 110 Fischarten einen Lebensraum, darunter vielen bedrohten Arten.

The Danube Delta has the lowest population per sq. km in Europe. 15000 people of various nationalities live here. In the Delta a number of “Lipovans” live, a minority with Russian Orthodox roots. They fled Russia looking for religious freedom in the 18th century and settled here as fishermen. This fisherman’s house may belongs to one of them.
The area is rich in fish with over 110 species represented, but many of these are endangered.

 

 

 

Auch heute noch ist das Schilf für die Bevölkerung ein unermüdlich nachwachsender und vielfältig eingesetzter Rohstoff. Es dient als Baumaterial (li), zum Heizen und als Tierfutter. Zudem ist es Grundstoff einer der weltgrößten Zellstoffproduktionen.
Am Donauufer finden sich zahlreiche Hausboote (re). Auch das ein zukünftiger Tourismuszweig?

Reeds are still today an important raw and renewable material in the Delta. They are used for building(l), for heating and as animal fodder. They are also the basis for one of the world’s largest production facilities for cellulose.
On the shores of the Danube are many houseboats (r), evidently popular for local tourists.  

 

 

 

Einer, der nicht gesehen werden möchte (li) und einer, der genau ihn gern sehen würde. Frosch und Silberreiher in Hab-Acht-Stellung.

On the left someone who hopes not to be noticed and on the right someone who would like to find him.

 

 

 

Hoffentlich geht es dem Hund gut. Sein Häuschen scheint gerettet.

Hopefully the dog has survived the floods as well as his kennel.

 

 

 

Hochwasserschäden am Donauufer und zwei durstige Pferde.

‘Donaudelta’ wird in Teil 2 fortgesetzt.

Flood damage along the banks of the Danube and some thirsty horses.

See part 2 for the continuation of ‘Danube Delta’.

 

 

 

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