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 E & BJ Capper Nagold 2006/2007

 

6. - 10.5.2006

Cârţa (Kerz)

Roma, Zisterzienser und die Kunst des Campens

Roma, Cistercians and the Art of Camping

Nachdem wir während einer Woche Aufenthalt auf dem bequemen Campingplatz in Aurel Vlaicu die uns wichtigsten erreichbaren Sehenswürdigkeiten besucht haben, wagen wir es weiterzuziehen und wählen als Ort unserer nächsten Niederlassung einen Campingplatz im etwa 130 km östlich liegenden kleinen Ort Carta aus. Er wurde uns wärmstens empfohlen und hat uns auch nicht enttäuscht (siehe unten).

After a comfortable week based at the Aurel Vlaicu camping site we have visited the sights that are reachable and more important for us, so we venture on and choose as next target the camping site in the small town of Carta, about 130 km further east. It has been warmly recommended to us and we are not disappointed (see below).                                                   

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Carta 5.2006

Die Landschaft bleibt sich ähnlich und ändert sich doch zugleich: Das alte Flussbett, nun das der Olt, ist immer noch riesig und topfeben, doch die Berge rücken näher und erheben sich noch spektakulärer aus der Ebene. Ihre höchsten Gipfel sind alle noch schneebedeckt und häufig hinter Wolken verborgen. Mit dem Rheintal und den Schwarzwaldbergen lässt sich das nicht mehr vergleichen. Alles wirkt ein paar Nummern gewaltiger und äußerst reizvoll.
Auch die Zusammensetzung der Bevölkerung scheint sich zu ändern: Sind wir während unserer ersten Woche nur vereinzelt auf Roma gestoßen, so erblicken wir bei einem Spaziergang durch Carta eine kleine Roma-Niederlassung, fast einem Ghetto ähnlich. Der idyllische Eindruck, den obiges Panoramabild (3 Fotos) vielleicht hervorruft, verflüchtigt sich schnell, wenn man das Bild vergrößert. Den Pferden wurden die Vorderbeine zusammengebunden, so dass sie sich nur auf skurrile Weise aufbäumend vorwärts bewegen können, das kleine Flüsschen ist verschmutzt und die Häuschen sind baufällige Hütten, in denen offensichtlich zahlreiche Menschen wohnen.

The countryside remains similar but there are some changes: the old riverbed of the River Olt still spreads out as an enormous, flat fluvial plain, but the Carpathian mountains are now closer and provide a spectacular backdrop. The higher peaks are still snow-covered and are often hidden by clouds. The previous comparison with the Rhine valley and the Black Forest above it is no longer valid - everything is now a size larger.
The composition of the population has also changed. In our first week we saw Roma people only occasionally, now when we go for a walk through Carta we pass a small Roma settlement, almost like a ghetto. The idyllic impression which may be made by the above panorama picture (3 photos) quickly dissipates if the picture is enlarged. The horses front legs have been tied together, so that they can only move with a sort of awkward half-hop. The little stream is full of rubbish and some of the houses are dilapidated.     

 

 

 

Es ist erbärmlich, wie die großen Familien leben müssen. So selbstverständliche Dinge wie Dachpfannen scheinen für die Roma unerreichbar, viele Dächer wurden mit Blechplatten oder Plastikplanen notdürftig abgedichtet. Wie die Familien die hier sehr strengen Winter überstehen, bleibt uns völlig rätselhaft.

Erst im 18.Jh. klärte sich allmählich auf, woher die Roma überhaupt stammen. Indem man ihre Sprache, das Romanes, untersuchte, stellte man fest, dass es sich um nordindische Dialekte handelt, die Roma und andere als "Zigeuner" verunglimpften Rassen also aus Indien kommen. Ab dem 5.Jh. breiteten sie sich langsam gen Westen aus. Wahrscheinlich flüchteten sie vor arabischen Angreifern, die viele von ihnen versklavten. Andere Kulturstudien zeigen größere Ähnlichkeiten mit althebräischen und jüdischen Sitten und Gebräuchen als mit indischen auf, deshalb war Indien wahrscheinlich nur ein Zwischenstopp auf einer langen Migration, die von Mesopotamien ausging. Die Experten sind sich darüber uneinig.
Das Volk der Roma, das weltweit aus ca. 12 Millionen Menschen besteht (die Anzahl der Roma in Rumänien schwankt je nach Quelle zwischen 500 000 und 3 Millionen Personen), ist in Europa mit mindestens 8 Millionen vertreten. Dies ist die größte ethnische Minderheit europaweit und dazu diejenige, die bis zum heutigen Tag am meisten diskriminiert, verjagt und ausgegrenzt wird, am radikalsten und systematischsten im 3. Reich (ca. 500000 Ermordete). 

The housing conditions under which some large families live are very poor and instead of roof-tiles there are sometimes metal or plastic sheets. We don’t know how families here get through the severe continental winters.

It was only in the 18th century that more became known about the origins of the Roma. (‘Roma’ is used here to mean both Roma and Sinti.) Language analysis showed that their dialects have strong connections to northern Indian dialects, so the people often referred to rather disparagingly as ‘Gypsies’ (related to ‘Egypt’) came to Europe instead from India, starting  as early as the 8th (some say even 5th) century. However, cultural studies show closer affinity to early Hebrew customs and Jewish culture than to Indian cultures, so India was probably only a phase in a long migrational history starting in Mesopotamia. This is not agreed with by all experts but it is clear that the Roma are a people with a very long history and deep cultural roots.
The world-wide Roma population is estimated at 12 million, of this about 8 million in Europe and in Romania anywhere between 500 000 and 3 million, depending on source. This enormous ethnic group is in a minority everywhere and over the centuries has been subject to discrimination and persecution. The most radical of these was the attempt by the German Nazi regime to systematically eradicate the Roma nation, resulting in the murder of an estimated 500000.                     

 

 

 

Die Hütten der Roma befinden sich - wie oft an anderen Orten auch - in direkter Nachbarschaft der wohlhabenderen Ortsgebiete. Wenige Schritte entfernt reihen sich hübsche bunte Häuser entlang einer geteerten Straße.
Der Ort Carta (1200 Einwohner) wurde von den Siebenbürger Sachsen aufgebaut, was an vielen deutschen Inschriften auf den Hauswänden erkennbar wird. Heute, nach dem Exodus der Sachsen nach Deutschland, werden die Häuser vorwiegend von Rumänen bewohnt. Es gibt allerdings auch die Variante (die man oft bei besonders gut in Schuss gehaltenen Häusern antrifft), dass ausgewanderte Siebenbürger Sachsen ihren Hof behalten haben, ihn mit deutschem Einkommen renovieren und den Urlaub hier verbringen. Doppelexistenzen in Nach-Wende-Zeiten, die vielleicht einmal zu Rückansiedlungen führen?

The Roma housing is - as is often the case - quite close to wealthier neighbourhoods. Only a few steps away there are rows of pleasant, colourful houses along a tarmac road.
The small town of Carta (pop. 1200) was built up by the Transylvanian Saxons, and many of the houses have texts and inscriptions in German on the walls. Today, after the exodus of the Saxons to Germany, the houses are mostly occupied by Romanians. In some cases, (more frequently among the better maintained houses), emigrated Transylvanian Saxons have been able to retain or regain possession of their property, have renovated them with their German income and use them as their vacation accommodation.                                                       

 

 

 

Auch unter den Roma scheint es ein Wohlstandsgefälle zu geben. Manche Familie wohnen in schöneren und solideren Häusern und pflegen die angrenzenden Grundstücke. Da wir zum ersten Mal während unserer Reise in engeren Kontakt zu den Roma treten, sind wir überrascht von ihrer Freundlichkeit und Direktheit, ja einer ordentlichen Portion Stolz. Diese beiden Jungs legen sich richtig ins Zeug, um gut auf ein Foto zu kommen und vergessen dabei völlig die Forderung nach irgendeiner "Bezahlung".

Among the Roma there seem to be differences in wealth as well. Some families live in more attractive and better-maintained houses and cultivate the surrounding plots. As we meet Roma now for the first time on our trip, we are surprised by their friendliness and directness, mixed with healthy self-esteem. These two boys make sure that they will come  out well on the photo and make no attempt to ask for any form of payment.    

 

 

 

 

 

Doch auch diese Szene spielt sich am Ortsrand ab und versetzt uns einen ordentlichen Kulturschock. Ich befürchtete schon, als ein Pferd gewaltsam von dieser Gruppe Männer zu Boden gebracht wurde, man wolle das Pferd schlachten. Tatsächlich - und das erschien mir schließlich fast brutaler - wurde es an dieser Stelle ohne Einsatz von Betäubungsmitteln, dafür aber mit Hilfe von Stricken und körperlicher Gewalt kastriert - eine Prozedur, die mehrere Stunden dauerte und dem Pferd hörbar und sichtbar große Schmerzen bereitete. Wird man Zeuge eines solchen Vorgangs, bleibt man rat- und fassungslos zurück, wohl wissend, dass die Roma, deren Einnahmequelle der Pferdehandel ist, keinerlei finanzielle Möglichkeit besitzen, diesen Eingriff von einem Tierarzt vornehmen zu lassen. Sicherlich ist das Kastrieren von Pferden in manchen Fällen sinnvoll und wertsteigernd und ein jahrhundertelang ausgeübter Eingriff, auf dessen Beherrschung diese Gruppe offensichtlich stolz ist. Die Männer rufen sogar John zu sich herüber und freuen sich, dass er fotografiert (vor grauslicheren Bildern verschonen wir unsere Leserschaft). Wir haben keine Antwort auf die Frage, wie man den Tierschutz in Rumänien unter den herrschenden Bedingungen verstärken kann - doch es wird offensichtlich, wie weit der Weg Rumäniens in eine EU mit strengen Tierschutzgesetzten noch ist. Bis einem die Bilder der gequälten Tiere in sinnlosen europaweiten Tiertransporten einfallen - und man wird kleinlaut.

But this scene at the edge of the town gives us a powerful cultural shock. We were puzzled as to why this group of men in a field were holding a large horse forcibly on the ground.
I - with camera - went closer to watch and was soon noticed by the group, who beckoned in a friendly way to me to climb over the fence and come closer. My suspicion was immediately confirmed - the horse was in process of being castrated, and that without any form of anaesthetic or painkiller. It was straining and struggling unsuccessfully to get free.

The men were very friendly and were obviously pleased with their skill and ability to do this task. Apart from documenting events with further photos, (unsuitable to show here), I did not know what else to do. In the end, after understanding by signs that the process would take at least another 3/4 hour, I retreated back over the fence.

We thought about this for some time afterwards. Could they possibly afford a vet’s fees or the cost of anaesthetics? What will happen when they are confronted with European standards about animal welfare in the EU?
But pictures of animals in long-distance animal transporters or of hens in chicken farm cages show that the EU has not solved all these problems either. Maybe the difference is not so great.

 

 

 

Diese Romafamilie wartet geduldig  mehrere Tage auf die Besitzer des einzigen Wohnwagens auf dem Campingplatz und möchte sich gern fotografieren lassen, am liebsten gegen einen kleinen Obolus. Die ältere Frau bittet mehrmals um Zigaretten, doch wir haben keine und bezahlen bar. Dafür setzten sie sich schön in Szene. Nur der junge Mann möchte nicht auf der Bank zwischen den "Alten" fotografiert werden. Würdevoll posiert er etwas abseits - ein stolzer junger Mann mit einer ungewissen Zukunft.
Gerade die Roma erfuhren eine wirtschaftliche Verschlechterung nach der Wende. Traditionelle Einnahmequelle wie das Kesselflicken oder die Schmiedekunst brachen zunehmend weg, und auch der Pferdehandel dürfte längerfristig schwieriger werden. Vereinzelt werden schon jetzt Traktoren eingesetzt.
Das Volk der Roma ist, wie gesagt, europaweit die am stärksten diskriminierte und verfolgte Minderheit. Da es sich keinem einzelnen Land zuordnen lässt, fällt es nicht einmal unter die bestehenden Minderheitenschutzgesetze. Die Arbeitslosigkeit beträgt zwischen 45% und in einzelnen Ländern 100%. Eine neue Brüsseler Resolution von 2005 verlangt, die verheerenden Lebensbedingungen der Roma durch "aktive" Maßnahmen zu beseitigen, da  "das Leben der meisten Roma nicht nur durch absolute Armut, sondern auch durch Ghettobildung, Rassentrennung sowohl in Schulsystemen als auch im Gesundheits- und Sozialversicherungswesen und durch sich fortsetzende gewaltsame Tendenzen zur rassischen Diskriminierung gekennzeichnet ist".

Nachdem die Transaktion "Bild gegen Bares" stattgefunden hat, lässt die Roma-Familie uns in Ruhe. Mehr wird nicht von uns verlangt, offensichtlich will sie uns entgegen landläufiger Meinung nicht "ausplündern" und weiß, was ein fairer Preis für einen Blick in ihre Welt ist. Aber den möchte sie schon erhalten haben.

These Roma people sit patiently outside the camping site and are prepared to be photographed at a modest price. The older woman asks repeatedly for cigarettes but are non-smokers and have none, so we pay a small amount of cash to each instead. The young man wants to be photographed separately, not sitting together with the old folks. With great dignity he poses to one side - a proud young man with an uncertain future.
The economic changes for the Roma people after the fall of Communism have often been negative. Traditional sources of income like metal handicrafts, repairing metal pans or breeding and trading horses are already unreliable and the increasing number of tractors will slowly displace the large horse population in Romania.
The Roma people are the largest and most discriminated minority in Europe. As they cannot be defined as belonging to any specific country they are not covered by existing minority legislation. Unemployment is over 45% and is 100% in some countries. To quote a recent (2005) EU report ’.... Roma have substantially lower levels of education, much higher rates of unemployment, significantly lower levels of income and poorer health than the rest of the population .... In many Member States, Roma children are routinely segregated at school, often going to ‘special schools’ for those with learning difficulties or being put into special classes. Many Roma, moreover, live in deprived and segregated areas with poor-quality housing, a lack of basic services and limited access to good-quality healthcare...’.

After completing the transaction ‘picture for cash’ the Roma family leave us in peace. They are (in contrast to a common opinion) not trying to plunder us, but just trying to get what they consider a fair price for services rendered.            

 

 

 

Ein Blick vom Kirchturm auf die äußeren Bezirke von Carta. Die von den deutschen Sachsen im typisch siebenbürgischen Stil (schmaler Hausgiebel und großes Toreinfahrt zur Straße hin) eng bebauten zentralen Dorfstraßen weiten sich und lassen Platz für große Höfe mit traufständigen Häusern.
Der Ort Carta ist übrigens berühmt dafür, dass Rumänen und Deutsche über die Jahrhunderte vertrauensvoll zusammenarbeiteten. Als die Deutschstämmigen nach dem 2. Weltkrieg enteignet und ihre Höfe an rumänische "Kolonisten" übergeben werden sollten, beschlossen die örtlichen Rumänen heimlich, sich als neue Eigentümer deklarieren zu lassen. Doch niemand sollte einziehen. Als 1953 die enteigneten Häuser zurückgegeben wurden, hatten sich alle an diese Abmachung gehalten.

From the church tower (see below) we get a good view of the outer areas of Carta. The typical Transylvanian Saxon style of German houses in the central, densely built-up streets, in which the narrow side of the roof is towards the street and there is a large gate across the yard entrance, give way to more spacious farms with the house roof parallel to the street.
Carta is famous for the fact that over many centuries the Germans and Romanians lived and worked peacefully side-by-side. When the German population were dispossessed after the 2nd WW and their farms transferred to Romanian ‘colonists’, the local Romanians decided secretly to have themselves registered as owners, but not to move into the properties. When the confiscated houses were returned to their owners in 1953, all had kept to this agreement.  

 

 

 

Doch Carta besitz noch etwas anderes Ungewöhnliches: Am Ortsrand, inmitten blühender Wiesen, liegt die "schönste Ruine Siebenbürgens" (Eigenwerbung zur 800jährigen Feier 2002). Die Zisterzienser gründeten 1202 das östlichste Kloster dieses Ordens in Europa. Das Mittelschiff ist eingestürzt, doch der Chor wird heute noch von der evangelischen Gemeinde für ihre Gottesdienste benutzt.

Carta has something else which is unusual. Near the edge of the town in the middle of flowering fields stands ‘Transylvania’s most beautiful ruin’ (quoting the town’s own 800 year celebration advertising). In 1202 the Cistercians founded the order’s most easterly monastery in Europe here. The nave has collapsed, but the choir is still used today by the Protestant church for their church services.                          

 

 

 

Vor den Toren der Klosterkirche umweht uns Heimatduft: Wir entdecken ein Auto mit Stuttgarter Nummernschild. Neugierig und ein wenig von Heimweh geplagt, treten wir in den Pfarrgarten ein und treffen diese aus Süddeutschland stammende Gruppe, die mit dem örtlichen Pfarrer vor den Resten der Klostermauern tafelt. Wir kommen ins Gespräch: Die Mutter einer der Frauen lebt sogar in einem Nagolder (unser Wohnort!) Altenheim.

The monastery gate is locked but we expect to be able to get the key at the vicarage. Also we see signs of home near the gate - a car with Stuttgart number plates. We enter the vicarage garden and see this group from southern Germany, who are dining with the vicar with the ruins of the monastery walls in the background. We chat a little and find out that the mother of one of the women lives in an old peoples’ home in Nagold (our home town). Small world.

 

 

 

Da der Pfarrer die süddeutsche Delegation mit einer Führung beehrt, öffnen sich auch für uns alle Tore. Alle Türen waren nämlich mehrfach verschlossen. In den letzten Jahren wurden auch hier sakrale Kunstwerke gestohlen, eine Gefahr, die alle der zurückgelassenen über 500 Kirchenburgen und Kirchen in Siebenbürgen bedroht, weshalb es auch so mühsam und manchmal unmöglich ist, diese Kirchen zu besichtigen.
Vom Kerzer Kirchenschiff stehen nur noch die Außenmauern.

The vicar gives his guests a tour of the church and this opens up the church for us as well - necessary, as there have been thefts of sacred art works here and everything has to be kept well locked up. That is a common situation for the over 500 fortified churches which the departing Germans have left behind in Transylvania. That means also that it is often not possible to get into the buildings - they are locked and finding a key is often beyond tourists like us who have no knowledge of  the language!
Of the nave here in Carta only the outer walls remain.    

 

 

 

Details aus dem Innern der heutigen Kirche. Blaue und rote Farbtöne dominieren, und viele Gegenstände sind in Bauernstilmanier schön bemalt.

Some details of the interior of the church. Blues and reds dominate. Inscriptions and texts are mostly in German.   

 

 

 

Blick in die Apsis der Kirche. Die Zisterziensermönche brachten mit dem Bau dieser Abtei die Gotik nach Siebenbürgen, die zuvor hier unbekannt war. Dies hatte eine bahnbrechende Wirkung für Siebenbürgen. Der Schlussstein am oberen Rand des Bildes ähnelt verblüffend denjenigen des Maulbronner Klosters in Süddeutschland.


Wir fragen den jugendlichen und energischen Pfarrer nach der Zahl der verbliebenen deutschen Gemeindemitglieder. Er wehrt diese Frage jedoch ab. Heute denke man nicht mehr in diesen Kategorien, Rumänen nehmen genauso am Gemeindeleben teil; die Gottesdienste werden in deutscher und rumänischer Sprache abgehalten.

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Carta Kirche/Church 5.2006

The apse of the church. The Cistercian monks who built the monastery introduced the Gothic style  into Transylvania and strongly influenced the architecture here. We read that there are strong similarities in architectural details to the monastery at Maulbronn in southern Germany.

We ask the young and energetic vicar about the number of German church members remaining, but he says that they no longer make that distinction in the congregation. Those of Romanian origin take part in the church in just the same way. Services are held in both German and Romanian.         

 

 

 

 

 

Wir besteigen den 54m hohen Torturm und betrachten die Abtei von oben. Links ragen die Karpatenberge in die Höhe. Hätten wir nicht kurz zuvor die verarmten Romagebiete gesehen, empfänden wir diese Gegend als wunderbar idyllisch und friedlich.

Dem Kloster war keine lange Lebenszeit beschert. Mehrmals wurde es von den Türken zerstört und danach wieder aufgebaut, doch als  unter dem Wiener Abt Bärenfuß die Sittenlosigkeit überhandnahm, löste König Matthias Corvinuns das Kloster 1474 kurzerhand auf und übergab es der Hermannstädter Stadtkirche.
1526, nach der Schlacht bei Mohacs, die Ungarns Zerfall sowie die Unterstellung Siebenbürgens unter die Türken bewirkte, vollzogen die Siebenbürger Kirchen den Schritt zur Reformation. Im Zuge dessen wurde auch die katholische Zisterzienserabtei Kerz evangelisch. Im 16.Jh. wurden der verbliebene Chor zur Kirche ausgebaut.

We climb up the 54m gate tower and look at the monastery from above. To the left are the Carpathians in the distance. If we hadn’t just walked through the poor Roma district, nothing would have disturbed the wonderfully peaceful and idyllic impression of the area.

The monastery did not last as a monastery for long. Several times it was destroyed by the Turks and rebuilt, but under the Viennese Abbot Bärenfuß (‘Bear’s foot’) moral standards became very lax and in 1474 King Matthew Corvinus dissolved the monastery and handed it over to the church in Hermannstadt (Sibiu).
In 1526, after the Battle of Mohacs, in which Hungary was defeated by the Turkish forces and Transylvania came under Ottoman rule, the Transylvanian churches joined the Reformation. In the process the Catholic Cistercian monastery in Carta became Protestant. In the 16th century the choir which still remained standing was made into a church.                       

 

 

 

Mitten in der Westfassade prangt das riesige Loch der ehemaligen Rosette (rechts), durch das die sinkende Sonne einen hellen Kreis ins unbedachte Innere der alten Kirche malt (links).
Der Pfarrer spielt mit einem Gast vor dem Pfarrhaus Tischtennis (rechts). Später gibt er uns in seiner bücherüberladenen Studierstube Broschüren und Karten zu Kerz und den Kirchenburgen.
Die zahlreichen Gräber im linken Bild tragen alle das gleiche Todesdatum: 30.09.1916. Rumänien hatte im ersten Weltkrieg 1916 überraschend Österreich-Ungarn den Krieg erklärt, musste sich aber nach verheerenden Schlachten in der Umgebung den österreichisch-ungarischen und deutschen Heeren geschlagen geben. Die 88 deutschen und österreichischen Soldaten, die man 10 Jahre nach Kriegsende in den Kirchhof umbettete, starben alle am selben Tag bei Kämpfen im Nachbarort Porumbac.

In the middle of the west facade (right) is the large circular hole left by the rose window - a classic Gothic architectural element - and the sinking sun shines through it into the roofless interior of the church (left).
 On the far right the vicar is playing table-tennis with a guest. Later in his book-filled library he provides us with useful maps and brochures.
The numerous graves in the left-hand picture all show the same date of death: 30.09.1916. In the first world war Romania surprisingly declared war on Austria-Hungary and after disastrous battles in this area had to accept defeat by the Austro-Hungarian and German forces. The 88 German and Austrian soldiers whose graves were transferred into the churchyard 10 years after the battle all died on the same day in fighting at nearby Porumbac.

 

 

 

Kleines Sinnbild für Siebenbürgen: Pferdewagen und Kirchenruinen?

Romantic Transylvania - an old horse-cart is parked picturesquely near the monastery ruins.

 

 

 

 

 

Und auch das hat Carta noch aufzuweisen: den hübschesten Campingplatz Rumäniens (von denen, die wir gesehen haben).
Er liegt mitten im baulich solideren Roma-Viertel, der sog. Ziganie, und ist nur über recht holprige Wege zu erreichen. Er heißt "De Oude Wilg" (alte Weide), und sein niederländischer Namen weißt auch schon auf die Besitzer hin, ein junges holländisch-rumänisches Ehepaar. Die beiden lernten sich in Holland während des Kunststudiums des jungen Rumänen kennen, und er verpflanzte seine holländische Frau schließlich in seinen Heimatort (soweit ich mich richtig erinnere), wo die beiden einen Campingplatz eröffneten - einen mit einem eindeutig künstlerischen Einschlag. Der ehemalige Pferdestall, den wir auf den oberen Bildern sehen, wurde liebevoll restauriert, modern ausgestattet und wunderschön bemalt und dekoriert.

And Carta has something else: the prettiest camping site (at least of all the ones we visited) in Romania.
It is located near better-built Roma houses, is well sign-posted and is reached via the usual very bumpy roads. It has a Dutch name ‘De Oude Wilg’ (‘The Old Willow’) and is run by a young and very friendly Dutch/Romanian couple. They got to know each other in the Netherlands while the Romanian was studying art there. He later brought his Dutch wife back home, where they have together turned a former farm into a camping site - one with an appealing artist’s touch. The horse-boxes in the farm building above have been restored, fitted out with modern sanitary equipment, and beautifully painted and decorated.

 

 

 

Interessante, lustige und informative Details (z.B. die auf die Hauswand gemalte Karte der hiesigen Sehenswürdigkeiten - unten links) finden sich zuhauf - innerhalb des Platzes, aber auch außerhalb. Neben der Betreibung des Campingplatzes unterrichtet der freundliche Rumäne auch Kunst an hiesigen Schulen und verschönt mit der Dorfjugend triste Gebäude oder Mauern im Ort.

Interesting, amusing and informative details (e.g. the map of local sights painted on the wall, lower left) are to be found everywhere, both inside and outside the camping site. Besides the camping site work, the Romanian teaches art at local schools and we saw evidence of his youth projects in the town - cheerful paintings on otherwise drab walls.          

 

 

 

Wenn man hier der profanen Arbeit des Geschirrspülens nachgeht, kann man gleichzeitig den (recht irdischen) Streitereien zweier blondgelockter Engel zuschauen.

Here the profane job of washing-up can be done in ‘heavenly’ surroundings, although it looks as if the cherubs are quarrelling about something!                  

 

 

 

Dass die Holländer ein ganz besonderes Verhältnis zum Camping haben, weiß man ja, doch in Rumänien zeigt sich diese Leidenschaft noch in einem anderen Licht. Zahlreiche Plätze werden ausgerechnet durch oder mit Hilfe von Holländern aufgebaut, die erst einmal fast ganz Europa durchqueren müssen, um nach Rumänien zu gelangen. Sie kommen nicht nur als Betreiber, sondern auch als Camper - keine andere Nation ist unter dem "fahrenden Volk" so zahlreich vertreten. Bereits von der holländischen Betreiberin in Aurel Vlaicu wurden wir darauf hingewiesen, dass man der Campingplatz-Liste des rumänischen Tourismusverbandes nicht trauen kann. Dafür hat sie uns eine von Holländern erstellte (und in holländisch verfasste, doch meist verständliche) Liste von Plätzen mitgegeben, die auch vorhanden sind und einen guten bis zumutbaren Standard aufweisen. Diese Liste befindet sich unter diesem Link (danach ‘Overnachten’ und ‘Campings’ anklicken).

 

Übrigens, herzlichen Dank an Joachim Gremm für die interessante und sehr informative Beschreibung seiner Radreise in Siebenbürgen.

We know that the Dutch have a special relationship to camping, but here in Romania it appears in a different light. Numerous camping sites are being built up by or are supported by Dutch people. This is a positive way of supporting growth by making this fascinating country more accessible to a wider public.
It is also evident that plenty of Dutch campers come here as well. You have to traverse most of Europe to get from the Netherlands to Romania, but (as you realize if you look at the caravan traffic on the German autobahns in summer) something like that will never deter the Dutch!

We were already told by the Dutch manager at Aurel Vlaicu that the list of camping sites published by the Romanian tourist authorities is not very reliable and she  gave us a list of reasonable or at least tolerable sites. The list is in Dutch (click Link then ‘Overnachten’ and ‘Campings’), but you may be able to decipher it.

 

By the way, at this point we want to express our thanks to Joachim Gremm for the very interesting and informative description of his Cycle Tour of Transylvania (in German).         

 

 

 

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